2. Die Weldihausen in Welliehausen.
Die älteste Nachricht daß
Einwohner aus Welliehausen anderswohin gezogen sind und nach
dieser Herkunft auch den Namen geführt haben, findet
sich in einer Aufzeichnung der Propstei zu Hameln aus dem
Jahre 1400, die aber nur durch eine neuere Abschrift aus dem
18. Jahrhundert überliefert ist. Isti sunt litones
praepositurae sancti Bonifacii Hamelensis beginnt jene
Niederschrift, in der dann unter dem Orte Hilligsfeld als
solche Litonen, d.h. Bauern mit beschränkter Freiheit
neben anderen aufgeführt werden: Clawes de Weldehus et
uxor et filii eorum morans (!) in Petzen. Tota progenies
Dietrich de Bessering. Tota progenies de wedewen in
Weldehusen in Lütchen Hilligesfelde (1). Das ist doch wohl so zu verstehen,
daß zu den Litonen in Hilligsfeld gehören Klaus
von Weldhus und Frau und ihre Söhne, die sich in
Pötzen niedergelassen haben, und in Klein Hilligsfeld
die ganze Nachkommenschaft der Witwe (Weldehus) in
Weldehusen. Es ist wahrscheinlich, daß schon dieser
Klaus den Zunamen Weldihusen getragen haben wird. Es ist
sicher, daß andere diesen Namen nach dem Orte ihrer
Herkunft geführt haben (2). Aber erst spät ist der Nachweis
hierfür zu erbringen. Vielleicht ist das
zurückzuführen auf die sehr schwache Besiedelung
des Ortes. Nach einer Nachricht aus dem Kloster
Möllenbeck vom Jahre 1465 ist, wenn nicht der Ort
Welliehausen, so, jedenfalls der dortige Besitz des
genannten Klosters wüst gewesen, so daß von den
dortigen klösterlichen Gerechtsamen nichts ermittelt
werden konnte (3).
Der erste Weldihusen, dem wir als in
Welliehausen wohnhaft begegnen, ist im Jahre 1530 Kord
Weldihusen. Das Rechnungsbuch des Gasthauses (Hospitals) der
Stadt Hameln aus den Jahren 1526-1532 führt zum Jahre
1530 die folgende Ausgabe auf: 13 punt vor 3 swyne Hermen
Vinken to Bodeke und Corde Weldihusen to Weldihusen (4). *Es ist nicht
anzunehmen, daß er der Stammvater war, bis zu dem
Propst Anton seine in der Einleitung erwähnte
Stammtafel hinaufgeführt hat. Denn wenn sein Sohn
Henning beim Erwerb der Braugilde mit Margarete Mügge
1496 oder im nächsten Jahre geheiratet hat, muß
der Vater doch wohl mindestens etwa 50 Jahre vorher geboren
sein. Unter diesen Umständen wird er bei solchem Alter
nicht der Kord gewesen sein, der 1530 im Gasthause zu Hameln
Schweine verkauft und auch sicherlich dorthin gebracht hat.
Viel wahrscheinlicher ist es, daß dies derselbe Kord
ist, dem wir 1554 und wohl schon 1551 begegnen.* Zum
letzteren Jahre berichtet nämlich das Rote Buch des
Stadtarchives von Münder, daß "Cord Meiger von
Wellihusen" unerlaubt in der Münderschen Mark
Hopfenstützen gehauen und daß er gefangen gesetzt
und nach einigen Tagen freigelassen Urfehde geschworen habe
(5). Es ist immerhin
wahrscheinlich, daß dieser Meier Kord ein Weldihusen
gewesen sein wird, derselbe "Kord Weldihusen" über den
sich 1554 die Aufstellung findet, daß er im Jahre
zuvor bei dem Einfall des Herzogs Heinrichs des
Jüngeren und seines Sohnes Philipp Magnus in das
kalenbergische Gebiet durch Fortnahme von Lebensmitteln,
barem Gelde und Hausgerät einen Schaden von 33 Gulden
erlitten hat (6). Und die
Wahrscheinlichkeit, daß der Meierhof in der Hand der
Familie gewesen ist, findet eine Stütze durch die
Nachricht, daß im Jahre 1562 Tonnies Wellihausen in
seiner Trift 123 Schafe und 47 Lämmer gehabt hat. Nur
der einzige Vollmeierhof war in der Lage, eine Schafherde zu
halten (7). *Bei dieser
Sachlage liegt die Annahme nahe, daß der Kord von 1530
und 1554, vielleicht auch der von 1551, ein Sohn und als
Besitzer des Hofes wohl der älteste Sohn des
Stammvaters Kord gewesen ist, daß er ferner der Vater
des Tonnies von 1562 war, und daß der gleich zu
erwähnende, dem Tonnies folgende Kord Dreier, auf den
später sein vermutlicher Sohn, der Vollmeier Hermann
Dreier folgte, als Tonnies Schwiegersohn anzusprechen ist.
Erst 1654 wird dann wieder ein Hermann Welliehausen als
Vollmeier angeführt.*
Im Jahre 1582, also 20 Jahre nach der
Erwähnung des Tonnies, hatte die Lämmerherde eben
dieser Kord Dreier, der 1585 als Ackersmann aufgeführt
wird und von Johann Matthias und Heinrich Lempke zu Hameln
40 Morgen Land unter dem Pfluge hatte, also den
größten Besitz (8). Und 1638 wird ein Hermann Dreier,
vermutlich sein Sohn, als Vollmeier aufgeführt (9). Waren also wirklich
zuvor die Weldihusen Inhaber des Haupthofes, so sind sie es
seit dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts nicht mehr
gewesen. Erst von 1583 an finden sich in den Schatz- und
Zinsregistern des Amtes Springe wieder zwei Männer des
Namens Weldihusen genannt, ein Hans und ein Kord. jener von
1583 an. Er ist 1585 vierzig Jahre alt und in Hilligsfeld
geboren, also von dort nach Welliehausen, dem ehemaligen
Ursprungsort der Familie, zurückgewandert, wo er als
Kötter 7 Morgen Rottland vom Hause Springe und einen
von Münchhausenschen Morgen beackert. Bis 1595 wird er
in den Listen aufgeführt (10). Er ist es wohl auch der 1601 und 1605
von der Stadt Hameln eine Bestallung als Holzförster
angenommen hat, den Süntel zu bewahren, zunächst
ein halbes Jahr auf Probe mit 4 Talern Besoldung. Am 18.
Januar 1601 wurde er vereidigt. Am 24. Juni 1605 wurde er
wiederum vereidigt, als Aufseher den Süntel zu
verwahren, mit 7 Taler jährlichem Gehalt auf
vierteljährige Kündigung (11). Beide, Hans und Kord, werden in der
Musterrolle von 1602 in Welliehausen mit einer Hellebarde
und einem Degen aufgeführt. Kord ist wohl des vorigen
Sohn, er erscheint seit 1596 mit demselben Besitz und
derselben Kornabgabe, wie vorher Hans, und wird bis 1621/22
im Kornregister des Amtes Springe geführt. Von hier ab
sind einige zwanzig Jahre lang keine Weldihusen nachweisbar.
Erst 1643 wird wieder ein Kord bis 1671, 1644 ein Henrich,
1645 ein Beibauer Jochim Wellihausen bis 1673 genannt.
Heinrich wird 1651 und bis 1654 als Ackersmann
aufgeführt und 1654 als Vollmeier. Heinrich ist also
wohl der Nachfolger des Vollmeiers Herman Dreier gewesen.
Als solcher wird er bis 1673 genannt. Neben ihm erscheinen
in den Amtsregistern 1654 bis 1658 ein Beibauer Johann
Wellihausen, von 1657 bis 1684 ein Kötter Adam, dem
dann ein Jürgen Wellihausen folgt und von 1659 bis 1673
ein Kurd Wellihausen, der von 1662 an als Schäfer des
Vollmeiers anzusprechen sein wird (12)
Mit dem Jahre 1674 wird als Vollmeier
genannt Harmen Wellihusen, dessen Name schon 1669 und
1671/72 erscheint. 1675 wird er als Vollmeier und
Schafmeister bezeichnet und hat einen Knecht Heinrich
Wellihusen, einen Schäfer Bernd Fiene mit Frau und
einen Leibzüchter mit Frau im Hause. Genauer findet
sich der Personenstand seines Haushaltes in der
Kopfsteuerliste von 1689 angegeben. Wir erfahren, daß
der Vollmeier 48 Jahre alt ist und 52 Morgen besitzt. Seine
Frau Anna Senke ist 40 Jahre alt. Sie steht im Kirchenbuch
bei der Trauung 1671 als Anna Dorothea Senke, im
Sterbeverzeichnis als Anna Dorothea Senking verzeichnet. Des
Vollmeiers Sohn Heinrich ist 16 Jahre alt. Seine vier
Töchter Anna Margarete, Katharina, Lisabet und Engel
werden als 14, 12, 9 und 6 Jahre alt aufgeführt. Ein
Junge Johann Krumfuß ist 8 Jahre alt; ein
Häusling Johann Wigand, Schäfer, 28 Jahr, mit Frau
und zwei Söhnen; ein Holzknecht Anton Rosemeier 34
Jahre alt mit Frau und zwei Kindern. - Unter den
Köttern wird in jener Kopfsteuerliste ein Harm (Herman)
Wellihusen, 30 Jahre alt, aufgeführt, mit 4 Morgen
Land. Er hat bei sich seine Frau Elisabeth Wiegmann, eine
Tochter und den Leibzüchter Adam Wellihusen, 60 Jahre
alt, und dessen Frau Katharina Wedekind (13). Sozial gliederte sich in jener Zeit,
z.B. bei der Huldigung für den Herzog Ernst August im
Jahre 1680, die Einwohnerschaft in einen Vollmeier, 4
Halbmeier, 7 Kötter, 4 Beibauern und einige
Häuslinge (14).
Der Vollmeier Harmen Wellihusen wird
übrigens in den Akten des Amtes Springe als einer der
Anführer genannt, die die Dienstpflicht während
der Ernte und der Saatzeit verweigerten (15). Er ist am 24.Dezember 1717 im Alter von
72 Jahren gestorben.
Statt der nur zum Teil erhaltenen
Amtsregister setzen nun für die Ermittelung der
Nachkommen dieser Vollmeierfamilie die Kirchenbücher
der Pfarrei Holtensen ein. Der dortige Pfarrer Steltzner hat
bereits um das Jahr 1800 eine bis zu seiner Zeit reichende
Stammreihe der Besitzer des Vollmeierhofes aufgestellt die
dann vom jetzigen Herrn Pfarrer Landwehr in Holtensen bis
auf unsere Tage fortgeführt und gütigst zur
Verfügung gestellt worden ist. Daraus ist zu entnehmen,
daß dem Vollmeier Harmen Wellihusen dessen Sohn
Henrich Welhusen, geboren den 5. Februar 1672, im Besitze
des Hofes gefolgt ist (16). Er heiratete am 3. Februar 1707 Marie
Meier aus der Pötzener Landwehr, hatte 8 Kinder und
starb am 19. November 1742. Sein am 30. Januar 1716
geborener Sohn Hans Kord folgte ihm im Hofe und heiratete am
30.Oktober 1744 Elisabet Magdalene Tuchtfeld aus
Tündern. Auch er hatte 8 Kinder und starb am 4. April
1761.
Karl Wilhelm Welhusen, der älteste am
18.Oktober 1745 geborene Sohn wurde der Nachfolger des
Vaters. Er heiratete Sophie Luise Welhusen aus Pötzen,
deren Vater Johann Hermann Welhusen ein Sohn des oben
genannten Heinrich Welhusen gewesen ist. Von den 7 Kindern
folgte dem am 15. Juli 1814 verstorbenen Vater der am 25.
Dezember 1789 geborene Sohn Karl Justus Wellhausen, der am
9. August 1814 Marie Dorothea Lohmann von der Holtenser
Warte geheiratet hat. Von den 9 Kindern hat der Sohn
Heinrich Friedrich Christian, geboren am 6. Juli 1820, den
Hof des Vaters, der am 23. Januar 1858 gestorben ist,
geerbt. Dieser Heinrich Friedrich Christian war der letzte
seiner Linie. Von seiner Frau Hanna Dorothea Karoline
Lücke aus Kleinberkel bei Hameln, die er am 19. Juli
1849 geheiratet, hatte er nur vier Töchter. Als er am
18. Mai 1872 gestorben war, heiratete seine am 18. Januar
1853 geborene zweite Tochter Hanna Wilhelmine Elise am 23.
Juli 1874 den Heinrich Karl Wilhelm Hupe, den am 8. November
1849 geborenen Sohn des Halbmeiers Christian Hupe zu
Welliehausen Nr.6. Seitdem sind die Höfe 1 und 6
vereinigt, die seit dem am 9. Juli 1920 erfolgten Tode des
Vaters der am 20. Dezember 1876 geborene Sohn Heinrich
Christian Friedrich Hupe besitzt. Ist zwar die bisherige
eigentliche Vollmeierlinie Wellhausen ausgestorben, so sind
doch von der Familie selbst noch Nachkommen vorhanden.
Mehrere der zahlreichen Söhne der früheren
Vollmeier sind in die Nachbarschaft, vermutlich nach
Holtensen und Pötzen, verzogen. Und in Welliehausen
selbst sind auch jetzt noch Nachkommen jener Linie wohnhaft.
Der jetzige Kötter Friedrich Wellhausen (von Nr.11) ist
ein Ururenkel des oben genannten Vollmeiers Hans Kord
Welhausen, dessen Sohn Anton Wilhelm eine Beibauerstelle in
Holtensen durch Heirat erworben hatte. Ein Enkel von diesem
Anton Wilhelm erwarb ebenfalls durch Heirat die
Kötterstelle Nr.12 in Welliehausen, dessen Sohn
Friedrich die Stelle Nr.11 durch Kauf erwarb. Auch die
Inhaber der Kötterstellen Nr.7 und Nr.13 sind
Nachkommen früherer Inhaber des Vollmeierhofes.
Neben diesem Vollmeierhofe Nr.1 gibt es zur
Zeit noch in Welliehausen 5 Halbmeierhöfe, 7
Kötter- und 5 Beibauerstellen und 15 sogenannte
Anbauer- oder Häuslingstellen. Nur die erstgenannten 18
Stellen haben Teil an der gemeinsamen Forst und sind dann
durch die Aufteilung und Zuteilung der gemeinen Mark
erheblich vergrößert worden. Während noch
gegen Ende des 17. Jahrhunderts der Vollmeierhof 52 Morgen
Land umfaßte, gehören heute 120 Morgen Land dazu,
und selbst die Halbmeierstellen sind heute so groß,
wie früher der Vollmeierhof. Die Welliehausener Flur
umfaßt heute, abgesehen von dem gemeinsamen Forst, 561
Morgen.