3. Die Weldihausen in den umliegenden Dörfern.
Von dem Dörfchen Welliehausen aus sind
nun Mitglieder der Familie seit alter Zeit und, wie wir eben
noch gesehen auch in neuerer Zeit in andere Dörfer der
Hameler Goe und weit darüber hinaus in andere
Dörfer und Städte und zumal nach der Stadt Hameln
verzogen. In dieser Reihenfolge wollen wir versuchen, der
Bewegung wenigstens für die ältere Zeit zu
folgen.
In Afferde bei Hameln begegnen wir
im 16.Jahrhundert nur den zur Verwandtschaft des Kanzlers
Walthausen gehörigen Kord und Hans, also dem
nachweisbar aus Welliehausen gebürtigen Kord
Weldihusen, dem Erbauer der Afferder Mühle, und Hans
Walthausen, dem Vater des Propstes Anton. Beide werden als
Stammväter der Linien des Propstes und des Stadtvogtes
Hans unten behandelt werden. Lange Zeit ist dann kein
weiterer Weldihausen in Afferde nachweisbar. Erst 1680 wird
bei der Erbhuldigung für den Herzog Ernst August ein
Beibauer Johann Wellihusen und 1689 im Geldregister des
Amtes Springe ein Kötter Burchard Welliehusen neben dem
damals 36 Jahre alten Johann genannt und noch später
1706 und 1715 als von Hakescher Lehnmann ein Jobst
Welliehusen (1).
Diedersen: Bei der Erbhuldigung
für Herzog Ernst August 1680 ein Kötter Kurd
Welliehusen; 1688 ein Halbmeier Jost Welliehusen mit 18
Morgen Land und unter den Köttern Hans Welliehusen mit
6 Morgen; 1777 und 1790 Heinrich Welliehausen als Inhaber
einer Hofstätte mit 15 Morgen Land meierweise vom
Hakeschen Rittergut Diedersen (2).
Hasperde: 1678 Ernst Wellihusen mit
200 und 1680 Hinrich Wellihusen mit 230 Schafen und
Lämmern (3)
Hilligsfeld: Wenn der oben zum Jahre
1400 genannte Litone "Klaus von Weldehus" diesen Namen
geführt hat, so ist er als der älteste
nachweisbare Zuzügler von Welliehausen nach Hilligsfeld
zu betrachten. Anderthalb Jahrhundert später sind drei
Welliehausen, Ludeke, Heinrich und Hans in Hilligsfeld, 1562
ein Ludeke, 1565 ein Meier Hans Weldehusen, 1583 Hans, Kurd,
Ludeke und Berend Wellihausen. Der letztgenannte war
Krüger, der erste hatte spiegelbergisches Land unter
dem Pfluge, Kurd hatte Land von Jost von Wetberg, und
Ludekes Hof war ein Teil der etwa 40 Morgen
Stiftsländerei, die der Bürgermeister Johann
Matthias in Hameln ohne Wissen und Willen des damaligen
Propstes Jost Lorleberg angekauft hatte. Noch 1553 zahlte
Ludeke seine Pacht an die Propstei. Genaueres erfahren wir
aus Anlaß der 1585 stattgehabten Erbhuldigung. Damals
war Kurd Weldihausen 36 Jahre alt und aus Hilligsfeld
gebürtig. An Land hatte er 100 Morgen, teils vom Haus
Koppenbrügge, teils von Jost von Wetberg und 4 Morgen
Wiesenwachs. Hans war aus Welliehausen gebürtig und 60
Jahre alt. Vom Stift in Hameln hatte er 22 Morgen Zinsland,
vom Hause Koppenbrügge 8, von Jost von Wetberg 9
Morgen, vom Hause Springe 5 Morgen Rottland, von der Kirche
zu Hilligsfeld einen Morgen, alles um Zins, und einen Morgen
Wiesenland. Auch Ludeke war von Welliehausen gebürtig
und 45 Jahre alt. Er hatte um Zins von Johann Matthias zu
Hameln 40 Morgen, vom Stift 2 Morgen, von der Kirche zu
Hilligsfeld 10 Morgen, vom Hause Springe 4 1/2 Morgen
Rottland und einen Morgen Wiese zum Matthiasschen Lande
gehörig. Endlich war damals noch ein Kötter Bernt
Weldihausen in Hilligsfeld, 50 Jahre alt und dort geboren,
mit 4 1/2 Morgen Rottland vom Amte Springe und von der
Kirche 2 Morgen. Am Anfang des neuen Jahrhunderts erscheint
dann an Kurds Stelle ein Heinrich Wellihusen (4).
Holtensen und Unsen: Seit 1583
erscheint hier ein Kurt Weldihausen, etwa 1555 in Zersen in
der Grafschaft Schaumburg geboren, mit anderthalbhundert
Schafen und Rottland vom Hause Springe, neben ihm 1587 auch
ein Braun, 1592 ein Hans. Bei der Erbhuldigung für
Herzog Ernst August im Jahre 1680 werden aufgeführt:
der Vollmeier Heinrich Wellihusen, der Beibauer Balzer
Wellihusen und der Kötter Hans Wellihusen. Aus der
Rauchschatzbeschreibung von 1688 sind die
Besitzverhältnisse für Holtensen-Unsen
ersichtlich: die Vollmeier Hans mit 56 Morgen und Heinrich
mit 60 Morgen, die Großkötter Heinrich mit 6
Morgen und Hans (dessen Haus ledig steht), die Beibauern
Balzer mit einem Morgen und Hinrich Wellihusen der
ältere im Witwenhause (5). Der Vollmeier Hans ist wohl derselbe der
im Hamelschen Stadtkataster als Besitzer von Stiftsland
aufgeführt wird, das er von Melchior Spilker und Tobias
Schwartze gekauft hat (6).
Nach Holtensen als dem nahen Kirchdorf sind
wohl die Beziehungen von Welliehausen besonders rege
gewesen. Aber auch über die oben genannten nahe
gelegenen Ortschaften der Hameler Goe hinaus haben sich
Mitglieder der Familie oder auch Träger des gleichen
Namens verbreitet. Es genügt die Ortschaften hier
aufzuzählen. Die meisten von ihnen liegen im
schaumburgischen oder ehemals Schaumburgischen Gebiete. In
einigen Fällen mögen für das 16. Jahrhundert
auch die Vornamen aufgeführt werden, soweit sie
nämlich in der Familie auch sonst gebräuchlich
gewesen sind.
Bennigsen, Bensen (1549 Harmen, 1556-1565
Kord), Börri, Brülsen, Deckbar (1580 Tonnies),
Derenberg, Drimkerbruch, Fischbeck, Fulen (1549 Tonnies),
Haddendorf, Haddensen, Hastenbeck, Herkendorf (1580 Kurd),
Höfinge (1549 Johann, 1580 Kurd), Latferde, Lauenstein
, Lockum, Neustadt, Oldendorf unter Schaumburg (1598 Kord),
Pötzen (1549-1588 Heinrich), Raden (1549 bis 1571
Joist, Christoffer), Rumbeck (1549 Heinrich, 1556 Heinrich
und Bernd), Weibeck (1549 Bernd, 1549 Hans, 1572 und 1586
Severin und Frau Anna, die in den genannten Jahren der Stadt
Hameln Geld geliehen haben) (7), Wickbolsen (1549 Kord), Winslar, Zersen
(1557-1580 Kord, 1588 Hans) (8).
Zu zweien dieser Orte liegen
ausführlichere Nachrichten vor, Im Hausbuch des
spiegelbergischen Amtes Koppenbrügge vom Jahre 1660
findet sich zum Dorfe Neustadt in der Pfarrei
Hachmühlen die eingehende Angabe: Hans Wehlihausen ist
ein Großkötter, dient wöchentlich einen Tag
mit der Hand und des Jahrs vier Tage mit den Pferden, als
drei Tage zu eggen und einen Tag drei Malter Korn an die
Weser zu führen, oder gibt Dienstgeld jährlich 2
Taler 8 Groschen. Sein Landbesitz 20 Morgen Herrenland, 14
Morgen Junkerland, Wiesen und Garten. Er gibt Landschatz 15
Groschen, Heringsgeld 7 Groschen, Pflichthafer 3 Himten (9).
In Haddensen im Amte Schaumburg lassen sich
die Wellihusen fast zwei Jahrhunderte hindurch verfolgen.
Bei Grenzfestsetzungen zwischen Schaumburg und Braunschweig
im Jahre 1611 ist von einem schaumburgischen Zinsbauer Hans
Wellighausen in Haddensen die Rede. Sein Knecht sagte als
Zeuge von ihm aus, daß sein Herr und der Holzmeister
davon geredet, daß sie die Grenzsteine und
Grenzpfähle ausreißen wollten. Bald darauf sei
sein Herr eines Abends fortgegegangen und erst 2 Uhr morgens
zurückgekommen. Auf die Frage seiner Frau habe er ihn
dann antworten gehört, sie seien auf dem Süntel
gewesen und hätten die Steine und Pfähle auf
Befehl ihrer Obrigkeit fortgeräumt. - Von dieser Zeit
an bis 1687 wird immer ein Hans Wellighausen oder Wellihusen
in Haddensen, also wohl Vater, Sohn und vielleicht Enkel
aufgeführt, 1695 einmal ein Johann Beisner, aber nur
als Stiefvater des 1696 folgenden Henrich Wellighausen, von
1727 an Hans Jost, 1753 Johann Jost, 1785 bis 1792 Harm
Hinrich Welliehausen und dann als sein Nachfolger ein August
Wilhelm Hupe (10).
Auch in weiterer Entfernung vom Wesergebiet
begegnen wir dem Namen der Familie, einer Klara Margarete
Wellinghus im Jahre 1721 in der Bauerschaft Markentrop im
Kirchspiel Buer im Stift Osnabrück (11) und schon 1598 einem Tonnies Walthusen
in Isenbüttel als Gläubiger eines hannoverschen
Bürgers (12).