5. Die Weldihausen und Walthausen in Hameln.
Die Mitglieder der Familie Wellihausen
waren ihrer Herkunft entsprechend Ackerbauern. Ihre
Verbreitung in die umliegenden Dörfer war daher
größer als der Zuzug in die nahe gelegene Stadt
Hameln, durch deren urkundliche überlieferungen wir
freilich besser über die Zuzügler unterrichtet
sind. Und von diesen Zuzüglern sollen hier nur die
namhaft gemacht werden, die sich den "Agnaten und
Blutsverwandten" des Kanzlers Jobst von Walthausen, also den
unten zu behandelnden Linien der Familie Walthausen, nicht
haben eingliedern lassen, weil eine Verwandtschaft nicht
erwiesen werden konnte. Das schließt nicht aus,
daß die Angeführten, namentlich soweit sie die
verschiedenen älteren Formen des Namens Weldihusen
führen und in das 16. Jahrhundert zurückreichen,
von dem gemeinsamen Heimatort her mit der Familie
verwandtschaftlich zusammenhängen. Es sollen ferner
nicht aufgeführt werden die später der Hameler
Besatzung zugehörigen Mitglieder der Familie des in
Teil 4 Abschnitt 42 am Schluß genannten Brigadiers
Johann Christof von Walthausen, eines natürlichen
Sohnes Erichs von Walthausen.
Die Hauptquellen über die
Einwohnerschaft von Hameln bilden die städtischen
Steuerlisten, die sogenannten Schottbücher, und das in
zwei überlieferungen vorliegende Stadtbuch genannt "de
Brade", welches Ratslisten, Listen über Gewinnung des
Bürgerrechtes und der Kauffahrt, also des Rechtes
Handel zu treiben, und Listen über die Gewinnung der
Braugilde durch neue Bürger enthält (1). Die Stadt ist für
die hier in Betracht kommende Zeit des 15. bis
17.Jahrhunderts eingeteilt in Bauerschaften, in die Markt-,
Oster- und Bäckerburschap. In den Schottbüchern
sind die Namen der schoßpflichtigen Einwohner nach
diesen Bauerschaften aufgeführt, nicht nach den
Straßennamen. Erst eine genaue Kenntnis der
Reihenfolge der Aufführungen vermag die Straßen,
in denen die Einwohner ihre Häuser und Wohnungen
hatten, zu ermitteln und erst eine fortlaufende Beobachtung
der Höhe der Schoßzahlung und des Wechsels und
der Aufeinanderfolge der Besitzer, die Art der Häuser -
ob Brauhäuser oder Buden - und die späteren und
heutigen Hausnummern festzustellen (2).
Der älteste, dem wir begegnen, ist ein Herman Welinghusen in
der Zeit von 1448-1450. Nicht in den Schottlisten selbst und
als Bürger wird er aufgeführt, sondern am Schlusse des
Schottbuches vom Jahre 1448 in dem sogenannten "Afslach". In
diesen Afslachlisten wurden zur Begleichung von Forderungen
Schoßpflichtiger und anderer Leute an die Stadt entsprechende
Abschläge vom Schott oder Auslagen des Kämmerers gebucht. Hier
hat nun 1448 und 1450 der Stadtkämmerer Auslagen
für Herman Welinghusen verzeichnet, und zwar 1448 die
Ausgabe für einen "Rock". Er ist also Angestellter der
Stadt gewesen, wie denn Kleidung und Kost damals ein
wesentlicher Teil der Besoldung gewesen ist.
Erst ein Jahrhundert später, 1545, ist
ein anderer Herman Weldihusen Bürger geworden. Er
wohnte zu jener Zeit in der Marktbauerschaft (vielleicht
Stubenstraße 34) und wird 1546 als Meister bezeichnet,
war also Handwerker. Im folgenden Jahre 1547 wird ein
Herman, wohl derselbe, in der Bäckerbauerschaft
genannt. Ein anderer Herman, vielleicht ein Sohn des
vorigen, vielleicht derselbe, gewinnt 1565 die Braugilde mit
Anna Osterwald. Er wohnte in der Marktbauerschaft, hatte
1560 und 1564 ein Büdnerhaus und später, seit
1565, ein Brauhaus. Bis 1589 wird er aufgeführt, 1591
seine Witwe. Aber daneben wird 1572 und 1582 ein Herman in
der Bäckerbauerschaft genannt und 1582 seine Witwe. In
einem Zinsverzeichnis des Bonifaziusstiftes findet sich 1592
ein Herman Wellihausen in der Emmernstraße
aufgeführt, ebenso 1600 und 1605 bis 1619 (3). Mit Sicherheit sind die
Herman nicht auseinander zu halten, trotzdem auch sonst noch
Nachrichten über sie vorliegen. Einer erscheint am
11.Januar 1558 vor dem Vogt und Richter Johann Hardagesen zu
Hameln in dessen Gericht "vor dem Klingenstein" als
Bürge für einen Urfehde schwörenden Mann aus
Großberkel. Und 1564 verkaufte das Bonifaziusstift
einen Stiftshof auf der Düntze zwischen Herman
Wellihausens Hause und hinter Martin Schirmers Hofe bis an
die Stadtmauer an den letzteren. Den Hof hatten bisher die
Tuchmacher gegen Zins als Färbehaus benutzt (4). Zu dieser
örtlichkeit, "die Dunst", hat von des Stiftes wegen
Johann Fergel 1621 in einer Verhandlung erklärt,
daß der ganze Platz von der Stadtmauer an bis an
Herman Wellihausens Haus, das jetzt Haddensen bewohne, dem
Kapitel erblich zustehe (5).
Eine Menke Wedehusen hat nach dem Buche
"Brade" 1474 Kauffahrt und Bürgerschaft gewonnen. Ist
der Name ungenau wiedergegeben, so ist immerhin
möglich, in ihm ein Mitglied der Familie zu sehen. Die
Zurückführung seines Vornamens auf Herman
würde ihn zeitlich einfügen in die obige
Zusammenstellung der Träger dieses Namens.
Am 23.November 1527 haben Tilke Dinslaken
und Geske, seine Frau, an den Stiftsherrn Bartold Pennig und
den Vikar Johann Hartwig eine Rente von ihrem Hause zwischen
Johann Kustodis und Kord Nettelmeier in der
Emmernstraße verkauft (6). über der Abschrift dieser Urkunde
findet sich von späterer Hand die überschrift:
"Tilken Dinslaken nunc Weldiehusen witwe". Tilke Dinslaken
hat 1506 die Braugilde gewonnen mit Geseke Mönckehofes
Tochter. Im Jahre 1546 ist sie in der Schoßrolle als
"die Dinslakesche" bei einem Herman Boldermann wohnend
aufgeführt. Wer der Weldiehusen gewesen ist, den sie
nach 1546 geheiratet hat konnte nicht ermittelt werden.
Tonnies Welligehusen hat 1542 Kauffahrt und
Bürgerschaft und mit seiner Frau Margarete, Pollitzen
Monnichusen Tochter, in demselben Jahre die Braugilde
gewonnen. Er hat nach den Schoßrollen 1546, 1547,
1557, 1560 in der Marktbauerschaft, vermutlich
Fischpfortenstraße 3, gewohnt. Im Jahre 1560 ist er
ohne Leibeserben verstorben. Er wurde nach Hameler Gebrauch
von seiner Frau beerbt. In der Rolle von 1564 wird er also
nicht mehr aufgeführt und nach der von 1565 wohnt
Margarete von Monnichusen in der Osterbauerschaft. In einem
Pachtverzeichnis des Bonifaziusstiftes von 1565 wird sie als
Tonnies Weldehausen Witwe bezeichnet (7).
Das Schottbuch von 1547 nennt einen Kord
Weldihusen mit einem Kreuzwerk in der Marktbauerschaft,
vielleicht Stubenstr.10. Es ist die einzige Nennung dieses
Kord.
Im Stadtarchiv zu Hameln befinden sich
Akten, die den Handel eines Herman Schrader mit seinen
Gläubigern behandeln. Unter diesen wird ein Henrich
Wellihausen mit Darlehnen von 20,10 und 20 Talern aus den
Jahren 1552 und 1554 aufgeführt und bei dem ersten
Posten steht der Vermerk vom Jahre 1574, daß Hinrich
darauf 4 Taler 1574 empfangen habe. Da auswärtige
Gläubiger mit dem Wohnort angegeben zu werden pflegen,
so ist dieser Heinrich in Hameln zu suchen und wohl
derselbe, der 1566 Bürger geworden ist und in der
Osterbauerschaft, vermutlich in der Kleinen Straße,
gewohnt hat. An seiner Stelle steht von 1569 bis 1578 ein
Joist Welligehusen, der 1565 Bürger wurde und
vielleicht sein Sohn gewesen ist. Dieser Joist
Welligehausen, der 1565 Kauffahrt und Bürgerschaft
erwarb und 1569 in der Osterbauerschaft an Stelle Heinrichs
aufgeführt wird, war verheiratet mit Ilsabe Tacke und
hat von 1572 an, wie aus dem geringen Schoß zu
entnehmen, bei seinem Schwiegervater Johann Tacke gewohnt.
Er ist 1577 gestorben, denn Ende August erwirbt seine Witwe
Ilsabe Tacke die Braugilde für sich allein. Noch 1588
wird sie in der Schottliste aufgeführt, 1589 nicht
mehr, sondern der Plattenschläger Hans Benekenhorn.
Vielleicht gehört hierher die Eintragung im
Schoßbuch "Joist Wellighausen Tochter" 1610 bis
1614/15.
Im Jahre 1565 verzeichnen die
Schoßbücher außer dem unten zu behandelnden
Johann Welligehusen von der Hanslinie in der
Bäckerbauerschaft noch einen zweiten Johann in der
Osterbauerschaft. Ein dritter ist dann der als "snider"
bezeichnete Johann Welligehusen, der 1561 Kauffahrt und
Bürgerschaft und 1567 zusammen mit seiner Frau Luzie,
der Tochter des Heinrich Brandes. die Braugilde gewann. Er
wird in den Schoßlisten von 1566 an bis 1578 als in
der Marktbauerschaft wohnend - vermutlich in der nachmals
alten Nummer 199, jetzt Emmernstraße 12 -
aufgeführt. Im Schoßbuch von 1582 ist er nicht
mehr verzeichnet. Aber in der Liste von 1584 ist seine Frau
zunächst noch eingetragen, dann dieser Eintrag
durchgestrichen und dafür Antonius Tileken eingesetzt,
der 1585 Bürger geworden ist. Johann Welligehusen, der
Schneider, dürfte hiernach vor 1582, seine Witwe nach
1585 gestorben sein. Sein Name wird noch einmal genannt als
Gerd von Campe am 19.Mai 1565 vor dem Gerichte des Vogtes in
Hameln nach Entlassung aus der Haft Urfehde geschworen und
Bürgen gestellt hat. Neben drei anderen nennt er als
solchen "Johan Welligehusen den Snider".
Eine Metke Wellihausen hat 1593 nach Angabe
des Bradebuches Kauffahrt und Bürgerschaft erworben als
Vertraute eines Christoffer Michel. Sie erscheint einige
Jahre später als mit 8 Mariengroschen ans
Bonifaziusstift pflichtig für Land vor dem Neuen Tor
und wird zum Jahre 1600 aufgeführt als "die Michelske,
Christof Langewegs (Lesart ist fraglich) Witwe" und 1601 an
derselben Stelle Metke Wellihausen nun Johann Eickmeiers. Zu
1602 bis 1604 heißt es Johann Eickmeier et uxor und
1605 und 1606 Johann Eickmeier (8)
Am 14. Dezember 1601 hat Hans Walthausen,
ein Glaser, Kauffahrt und Bürgerschaft gewonnen. Im
Hameler Kämmereiverzeichnisse wird er Wellihusen
genannt und als Tag der Erwerbung des Bürgerrechtes der
16. Dezember vermerkt. Im übrigen wird er immer als
Walthausen und als Glaser oder Gleseker aufgeführt. In
den städtischen Schottbüchern begegnet man ihm bis
1628. Im Türkensteuerregister vom Jahre 1606 erscheint
er zu drei Personen in der Bäckerstraße wohnhaft
(9). Im Pestjahre 1626 hat
er einen Sohn und eine Tochter verloren und zum 4.März
1629 führt die Liste der Begrabenen der
Münsterkirche auf: "Hans Walthusen des Glasers
Hausfrau". Auch 1630 hat er noch gelebt, da er in einer
Liste von Bürgern verzeichnet steht, die an das
Bonifaziusstift Geldzins zu zahlen haben (10). Aber 1632 wird "Hans
Walthausen Glasers Kind" in der Schoßrolle genannt. Er
hat zwei Wohnungen in der Bäckerbauerschaft gehabt:
zunächst in der Bäckerstraße 33 und 1616
Wendenstraße 20. Wir begegnen ihm auch in den
städtischen Kämmereirechnungen: 1625 erhielt
"Meister Hans Walthausen Glaser" für Anfertigung der
Fenster in der Schule und im neuen Gebäude 2 Taler 30
Groschen und 1632 ist auf seinen Namen ein Taler für
die Fenster "in der Hauptleute Quartier" gebucht.
Es ist zwar nicht erwiesen, aber immerhin
nicht ganz unwahrscheinlich, daß dieser Hans
Walthausen ein natürlicher Sohn des Kanzlers Walthausen
gewesen ist. Ein Wolfgang Walthausen nämlich, der ein
unechter Sohn des Kanzlers und Organist in Idensen war hat
im Jahre 1617 den Genuß einer ihm auf Lebenszeit
zustehenden Pfründe auf den Sohn seines Bruders Hans
Walthausen in Hameln, Jobst Hans mit Namen,
überträgen (11). Damals lebten in Hameln außer dem
nicht in Betracht kommenden Stadtvogt Hans und dessen Sohn
Hans eben nur noch der Glaser Hans, von dem wir auch soeben
gesehen, daß er einen Sohn gehabt hat. Zu einem
Beweise reicht die Urkunde nicht aus. Abgesehen davon,
daß es sich um eine Stiefbruderschaft handeln kann,
ist doch auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen,
daß in Hameln noch ein vierter Hans zeitweilig gelebt
hat, von dem keine Nachricht überkommen ist. Daß
Beziehungen zur Familie von Walthausen bestanden haben, geht
auch daraus hervor, daß "Meister Hans Walthausen,
Bürger zu Hameln", einer der beiden Zeugen in Munzel
war, als Jobst Andreas von Walthausen für den Zweck
seiner Klage gegen das Stift Wunstorf wegen des Osterhofes
im Januar 1625 vor Notar und zwei Zeugen eine Aussage
aufnehmen ließ, und daß Jobst Andreas den
"Meister Hans Walthausen" zur Eintreibung von Forderungen im
Jahre 1627 bevollmächtigt hat (12).
Ein Brand Welliehausen wird zuerst genannt,
als seine Frau Auguste Plagers im Jahre 1600 Kauffahrt und
Bürgerschaft gewann. Am 24.November 1611 hat seine
Vertraute Katarina Schours die Bürgerschaft gewonnen .
Von 1606 bis 1615/16 führen ihn die
Schoßbücher auf als in der Osterbauerschaft
wohnend. Am 25.April 1611 nahm ihn die Stadt als
Ratsbüchsenschützen an. Sein Vorgänger Tile
Luder, ein alter Mann, solle die bisherige Besoldung zur
Hälfte bis zu seinem Tode erhalten, dann Brand in das
volle Gehalt der Stelle eintreten (13).
Nichts als den Namen Friedrich Wellihausen
erfahren wir im Jahre 1630, als der Notar Johannes Bolenius
im Auftrage des Syndikus Dr. Wilhelm Burchard Sixtinus
dessen Einrede in Sachen des Wangelister Zehnten urkundlich
aufnahm und ihn als Zeugen benannte (14).
Marei Wellighausen aus Welliehausen hat am
31. März 1630 Kauffahrt und Bürgerrecht
erworben.
Katharina Lampe aus Pötzen, die Magd
der Walthäusischen, hat am 4.Juni 1630 die
Bürgerschaft gewonnen. Wegen langer getreuer Dienste
hat ihr der Rat die Hälfte verehrt.
Marei Wellighausen von Hilligsfeld hat am
5.Dezember 1632 Kauffahrt und Bürgerschaft gewonnen
zugleich für ihren Sohn Hans Paul. Die Eintragung ist
dann aber durchgestrichen mit dem Vermerk: Diese hat die
Bürgerschaft aufgekündigt.
Ilsabete Wellighusen aus Welliehausen war
die Vertraute eines johann Ruefues des Jüngern und
erwarb 1658 Kauffahrt und Bürgerschaft. Vorher war sie
in Diensten bei dem Bürgermeister Johann Gerhard Reiche
und bei dessen Vater gewesen, und weil sie sich treu und
fleißig verhalten, wurden ihr aus Kostkens Testament
20 Taler bewilligt.
Ein Heinrich Welieghusen starb nach dem
Garnisonkirchenbuch am 18.September 1715.
In den Akten eines Rechtstreites finden
sich aus dem Jahre 1678 eine von einem "Rudolf Heinrich
Walthausen, Gefreiten Korporal von des Herrn Hauptmanns
Brand Kompagnie" unterzeichnete Beglaubigung (15). Dieser Rudolf
Heinrich Walthausen war nach dem Kirchenbuch der
Münsterkirche am 14.Oktober 1673 mit einer Magdalene
Rüter (Reuter), Henning Rüters Tochter, getraut
worden und ließ am 8.Februar 1674 eine Tochter Maria
Elisabet taufen. Er ist wohl derselbe Rudolf Henrich
Walthausen, der in einem Rechnungsbuche des
Bonifaziusstiftes unter den Pflichtigen aufgeführt und
in den Jahren 1702 bis 1711 eine Getreideabgabe zu
entrichten hat (16). Am
26.September 1681 ließ der Sergeant Walthausen in der
Münsterkirche einen Sohn Johann Jobst und am 14.Oktober
1684 der "Fendrich Walthausen" eine Tochter Anna Margarete
taufen. Der "Fendrich" Walthausen wohnte nach einem
Kopfsteuerverzeichnis von 1686 im Osterquartier mit Frau und
Kindern, und in einem ebensolchen des Jahres 1689 wird er
bezeichnet als "Gewesener Fendrich Walthausen", in allen
diesen Angaben seit 1681 ohne Nennung seines Vornamens (17). Aber nach der
gleichzeitigen Hamelschen Kopfbeschreibung von 1689 wohnte
er bei seiner Schwiegermutter, der Witwe des Henning Reuter,
einer siebenzigjährigen Büdnerin, und wird
aufgeführt als "Schwiegersohn Fähnrich Friedrich
Walthausen" mit Zahlung von Schutzgeld. So wird er auch
1699, 1708 und 1709 genannt, dabei einmal, wohl
irrtümlich, als Gefreiter Korporal. Im Jahre 1703 ist
er Bürger geworden und wahrscheinlich 1709 gestorben,
denn 1710 wird seine Witwe als Relicta Fendrich Walthausen
aufgeführt, ebenso 1724 in der Kämmereirechnung,
nach der sie in der Nummer 311 in der Hummenstraße
wohnte. Am 10.April 1725 ist "des Herrn Fenrich Walthausen
seine Frau" begraben. Nach dem Garnisonkirchenbuch ist am
12.Januar 1711 Friedrich Walthusen gestorben, und 1733/34
werden Friedrich Walthausen Erben genannt. Wann seine Frau
gestorben ist, wissen wir nicht. - Außer den oben
genannten sind dem Ehepaar noch weitere Kinder geboren: am
25.November 1686 ist Sophia Margarete und am 16.Oktober 1689
Johann Heinrich getauft worden, beide in dem Kirchenbuche
der Garnisongemeinde eingetragen als Kinder des Fendrich
Walthausen; ferner 1695 Anna Eleonore, die nach ihrer
Verheiratung mit Christian Röpke und nach Gewinnung von
Kauffahrt und Bürgerschaft in der Kämmereirechnung
von 1715 als "Fendrich Walthausen, eines Bürgers,
Tochter" und einmal auch als "Friedrich Walthausen Tochter"
bezeichnet worden ist.
Die Angaben dieser Zusammenstellung und
ihre Beziehung auf eine Person müssen zu einer
unlösbaren Verwirrung führen. Man hat wohl eine
Lösung durch die Annahme versucht, daß der Name
Friedrich überhaupt nur durch Irrelesung aus "Fendrich"
entstanden sei. Durch Einsetzung des eigentlichen Namens
Rudolf Heinrich wäre dann freilich die Verwirrung
sofort gelöst. Aber es muß doch auffallen,
daß alle Eintragungen des Namens Friedrich durch
Verwechselung und Irrelesen veranlaßt sein sollten,
auch in solchen Fällen, wo die Eintragungen auf
mündlichen Angaben beruht haben werden oder wo
Fähnrich und Friedrich nebeneinander stehen. Und
schließlich: der oder ein Friedrich Walthausen wird
schon zu einer Zeit aufgeführt, als er noch nicht
Fähnrich war. Denn nach der Niederschrift über
dievermessung von Länderei im Jahre 1676 wird unter den
Eigentümern, Besitzern und Nutzern von Land auch
Friedrich Walthausen aufgeführt und 1699 in der
Kämmereirechnung mit 3 Morgen Land. Die
Möglichkeit einer Lösung scheint daher allein
gegeben durch die Annahme, daß es eben zwei Personen,
einen Rudolf Heinrich und einen Friedrich Walthausen,
gegeben hat, die beide Soldaten waren und beide eine
geborene Reuter geheiratet haben.
Eine der oben genannten Töchter, Anna
Eleonore Walthausen, heiratete 1715 einen Auswärtigen,
Christian Röpke, der Kauffahrt und Bürgerschaft
nach der Kämmereirechnung jenes Jahres und 1729 die
Braugerechtigkeit erwarb. Die Frau wird bezeichnet als
Friedrich Walthausen eines Bürgers Tochter und 1729 als
Anna Eleonore Walthausen. Nach dem Kirchenbuche der
Marktkirche ist ihnen 1720 ein Sohn Georg Anton Wilhelm und
1721 ein Sohn Christian Ludwig geboren. Der Vater wird hier
als Schwertfeger bezeichnet. Die folgenden Kinder wurden
getauft am 4.September 1729 Jobst Wilhelm, bei dem der
"Schwager des Vaters", der Senator Jobst Wilhelm Walthausen,
Gevatter gewesen, am 15.Februar 1733 Karl Wilhelm und am
23.Oktober 1735 Wilhelmine Margarete. Bei diesen beiden
Kindern war die Frau des Senators Jobst Wilhelm Walthausen
Patin. Nach der Kämmereirechnung von 1730 wurde
Christian Röpke, der übrigens in seiner
Kirchengemeinde zusammen mit dem Senator Walthausen Diakon
war, das Haus Ritterstraße 8 zugeschrieben. Die beiden
Eheleute sind im gleichen Jahre 1757 gestorben. Aus dem
Nikolaikirchenbuche erfahren wir hierbei, daß die Frau
62, der Mann 74 Jahre alt geworden, sie also 1695 bezw. 1683
geboren waren. Der oben genannte, 1721 geborene Christian
Ludwig Röpke heiratete 1757 Elisabet Greve und 1772
Anna Dorothea Gerhold von Rumbeck. Er hat auch später
noch in Beziehung zur Familie des Senators Jobst Walthausen
gestanden, denn in einem Streite der Stadt gegen die Erben
des Senators und seiner Frau wegen rückständiger
Servisgelder wird Christian Ludwig Röpke neben
Mitgliedern der Familie Kleinschmidt als Erbe des
Walthausenschen Ehepaares genannt (18).
Schließlich ist vielleicht auch eine
Ilsabei Walthausen zu dem obigen Kreise der Rudolf Heinrich
und Friedrich gehörig gewesen. Sie heiratete nach dem
Kirchenbuch der Garnisongemeinde am 1.November 1705 einen
Wilhelm Lieutenant, der Soldat in des von Zastrow Kompagnie
gewesen ist.
Nach den Hameler Bürgerlisten waren
zum 11.Juli 1731 eine Anzahl junger Bürger, d.h.
Söhne von Bürgern zur Beeidigung vorgefordert und
erschienen und unter ihnen auch Friedrich Heinrich
Walthausen, ein Invalidensergeant. Er besaß ein
Büdnerhaus, sein Vater war Bürger gewesen, seine
Frau hieß Anna Katharina Thielen und war aus dem Amte
Stolzenau gebürtig. Er wollte nicht schwören. Aber
die Verschiebung seiner Vereidigung und die Androhung von 5
Taler Strafe hat ihn wohl doch dazu veranlaßt, denn er
wird in den Akten über Kauffahrt und Bürgergeld im
Jahre 1733 unter denen aufgeführt, die wegen Zahlung
des Bürgergeldes noch in Rückstand waren. Er hatte
bereits zwei Söhne, Johann Friedrich und Ludolf
Heinrich, für die er am 20.Mai 1730 und am 21.Oktober
1732 Lehrverträge mit zwei Handwerksmeistern
abschloß. Am 11.Dezember 1735 ließ er nach dem
Kirchenbuch der Garnisongemeinde ein Kind Friederica Sophia
taufen und am 17.März 1743 seine Frau und am 18.Mai
darauf seine Tochter Sophia Charlotte beerdigen. Er wird im
Eintrag von 1735 bezeichnet als Sergeant Walthausen,
Invalide, und 1743 als der gewesene Sergeant und Invalide
Friedrich Walthausen.
Bei dieser genauen Bezeichnung ist eine
Verwechselung nicht möglich mit zwei Einträgen,
die sich im dritten Bande der Münsterkirchenbücher
befinden: "am 23.Juni 1740 ist Friedrich Welhusen seine Frau
beigesetzt um Gottes willen" und "am 5. Januar 1742 ist
Friedrich Wellhusen beigesetzt um Gottes willen".
Der Schluß dieser Zusammenstellung
will nicht besagen, daß nicht noch einige weitere
Personen des gleichen Namens in der Folgezeit in Hameln
gewohnt haben. Aber eine Beziehung zur Familie ist, wie
schon bei fast allen, die in diesem Abschnitt und vom
17.Jahrhundert an aufgeführt sind, nicht mehr erkennbar
und nicht zu vermuten. Denn seit der Zeit des Kanzlers von
Walthausen und seiner Vettern ist die weitere
Geschlechterfolge ohne erhebliche Lücken durchaus
verfolgbar.