Ein unternehmungslustiger und fortschrittlicher Gerber
Von jeher haben Männer mit Tatendrang und Unternehmungsgeist die
Lebensverhältnisse der Menschen verändern und verbessern wollen.
Unzählige Namen aus allen Zweigen der Kulturgeschichte künden von den
Erfolgen. Von den Mißerfolgen und den daraus entspringenden persönlichen
Nachteilen ist nur selten die Rede.
Das älteste Feuerungsmaterial, das Holz, mußte zwangsläufig mit dem
Wachstum der Bevölkerung eines Tages knapper werden. Torf und Kohle
wurden gefunden und benutzt, und erst viel später kamen Gas und
Elektrizität hinzu. In Mühlhausen wollte der Gerbermeister Johann
Christoph Kleeberg seine Mitbürger dazu veranlassen, ihre Stuben mit
Torf zu heizen. Seine Bemühungen hatten keinen Erfolg, aber er ist
dabei ein armer Mann geworden.
Johann Christoph entstammte der alteingesessenen und zahlreichen Familie
Kleeberg und war der Sohn von Johenn Gottfried, dem Gerberobermeister in
der Görmargasse 584, jetzt Nr. 63. Seine Lebensdaten: Am 8.12.1774 in
Divi Blasii getauft, besuchte er nach der Volksschule ab 1786 noch zwei
oder drei Jahre das Gymnasium. Er erlernte bei seinem Vater das
Gerberhandwerk, wurde 1799 Meister und heiratete am 19.2.1801 Marie
Sophie, die Tochter vom Schlosserobermeister Johann Andreas Wiedersberg.
Er wohnte zu der Zeit in der Hauptmanngasse 176 und erwarb dann das Haus
Jakobsgasse 752, jetzt Kurze Jakobistraße 4, ein ansehnliches
Grundstück. Er starb am 14.9.1837 mit 62 Jahren an Geschwulst, eine
Frau am 12.4.1846 an Altersschwäche.
Er hatte vermutlich Kenntnis von früheren Bergbauversuchen, z.B. der
Grabung nach Silber unter dem Spielberge nahe der Stadt und nach
Eisenerz im Bornberg im Hainich. Anno 1704 wurde ein ordentliches Flöz
von Tagekohlen auf dem Wendewehr entdeckt, welches dem Syndikus Graßhof
Veranlassung gab, eine Grube anzulegen. Allerdings hat der Abbau nicht
lange gedauert, da man "nicht genugsame Vorsicht gebraucht hatte, dem
Versaufen der Grube zuvorzukommen." Im Sommer 1821 hatte ein Salomon
Gerlach beim Brunnenbau im Johannistal ein Kohlenlager entdeckt und mit
Unterstützung des Magistrats weitere Nachforschungen angestellt, aber
bald wieder aufgegeben. Schon im nächsten Jahr trat dann Johann
Christoph Kleeberg auf den Plan. Er richtete zusammen mit dem ehemaligen
Leutnant Stange und dem Bürger Gottfried Ferdinand Recing am 17.2.1822
ein Gesuch an den Magistrat mit der Bitte um Erlaubnis, eine
Torfgräberei anlegen zu dürfen. Zur Begrndung wiesen sie auf die
fortlaufende Verknappung und Verteuerung des Holzes hin. Sie
behaupteten, "eine aus Pflanzen, Pflanzenwurzeln, Moosen und Gräsern
bestehende und ineinander verwachsene Erde gestochen, solche in
Ziegelform an der Luft getrocknet und darinnen ein sehr erwünschtes
Brennmaterial gefunden zu haben, das keinen starken schweflichten Geruch
verursacht, der Gesundheit nicht nachteilig ist, zwar wie der Lohball (1)
verkohlt und zu Asche wird, aber weit mehr Feuerung als solche gewährt."
Sie erbaten sich gleichzeitig das Vorrecht des alleinigen Verkaufe. Der
Magistrat hat in seinem Antwortschreiben vom 15.3.1822 das Unternehmen
als nützlich anerkannt und Begünstigung und Unterstützung zugesagt. Ein
Vorrecht könne jedoch nicht erteilt werden. Die drei Antragsteller
haben daraufhin mit der Torfgräberei auf einem von der Stadt erworbenen
Grundstück vor der Grünen Pforte begonnen. Der Weg aus dem Stadtwald
heraus unweit der Hölzecke heißt heute noch Torfgrubenweg. Bald nach
Beginn des Unternehmens war Kleeberg der alleinige Besitzer.
Im "Mühlhäuser Wochenblatt" findet man die erste Verlautbarung zu diesem
neuen Geschäft in einer Anzeige vom 4.1.1823 mit folgendem Text:
| " |
Da die Rede entstanden ist, als wären keine Torfkuchen
mehr zu haben, so mache ich hiermit bekannt, das noch
recht gute trockene Torfkuchen zu haben sind in ganzen,
1/2, 1/4 und 1/8 Hunderten das 100 zu 14 ggr. (2)
| |
|
Kleeberg in der Jakobsgasse
|
Dann erscheint im Blatt vom 19.7.1823 eine weitere Bekanntmachung:
| " |
...von jetzt an aber sind solche an der Grube, solange
daselbst gearbeitet wird, auf 10 ggr. herabgesetzt und
zu haben, indem ich hiermit beabsichtige, jedem resp.
Abnehmer es freistellen zu wollen,- sich dabei etwas
selbst zu verdienen, wünsche ich zugleich, mir einen
recht bedeutenden Absatz zu verschaffen.
| |
|
Christoph Kleeberg
| " |
Im nächsten Blatt ist die gleiche Anzeige wiederholt, aber der Preis ist
wegen der preußischen Münzverordnung jetzt mit 12 Sgr. 6 Pfennigen (3)
genannt.
Der Absatz ist nicht bedeutend gewesen, und wir wissen heute nicht,
was für Illusionen sich damals Johann Christoph gemacht hat. Nicht aller
Schriftwechsel ist in die Akten eingegangen. Er hat auch ein Gesuch an
den Landrat in Treffurt gerichtet, denn dieser fordert seinerseits
Bericht vom Magistrat. Ebenso sind seine Eingaben an die Bergämter in
Suhl und Halle hier nicht vorhanden. Im Herbst 1823 hat ein Oberbergrat
Loebe aus Halle die Grube besichtigt und das Erzeugnis als Braunkohle
bezeichnet. Das Unternehmen wurde auch durch ein Gutachten vom Bergamt
Suhl vom 3.4.1824 unterstützt. Es heißt darin, die von Kleeberg
vorgezeigte Braunkohle sei " vollkommen von der Güte und Brauchbarkeit
wie diejenige Braunkohle, welche in der Umgegend von Halle, Merseburg
und Eisleben häufig vorkommt und der Gegenstand wichtigen Bergbaues sei,
für die dortige holzarme Gegend aber als ein unschätzbarer Schatz
anzusehen ist." Das Recht der bergmännischen Ausbeutung wurde ihm
zuerkannt. Auch das Landratsamt in Treffurt und der Mühlhäuser
Magistrat unterstützten das Unternehmen. Im "Mühlhäuser Wochenblatt"
wird im 42. Stück vom 16.10.1824 vom Bergamt Suhl ein 1 1/2 Seiten
langes "Allgemeines Gutachten über die Braunkohle bei Mühlhausen"
veröffentlicht. Das Lager erstrecke sich weithin, die Benutzung der
Kohle wird warm empfohlen, und es werden Hinweise für die
Feuerungstechnik gegeben. Im nächsten Wochenblatt erscheint folgende
Anzeige:
| " |
Nach getroffener Übereinkunft mit einem Königlichen
Dergamte in Suhl ist das vorräthige Lager der von demselben
geprüften und für gut erklärten Braunkohle um
2 1/2 Sgr. für 100 gut ausgetrocknete Kuchen nach
früherem Verkauf herabgesetzt worden, und werden groß
geformte zu 15 Sgr., etwa kleinere zu 12 1/2 Sgr, verkauft.
Von dem rohen an der Grube befindlichen Vorrath
kostet die Bergtonne (4 Berliner Scheffel haltend)
6 Silbergroschen.
| |
|
Johann Christoph Kleeberg
| " |
Dennoch war der Absatz bis zum Herbst 1824 nur sehr gering.
Zwar waren 1100 Tonnen gefördert worden, aber nur 12000
Stück Torfkuchen im Gewicht von 156 Tonnen hatte er verkaufen können.
Johann Christoph wandte sich an das Oberbergamt in Halle um
Unterstützung, welches wiederum die Königliche Regierung ersuchte,
daraufhinzuwirken, das Kleebergsche Unternehmen zu fördern. Der
Magistrat verfügte die Einrichtung der Braunkohlenfeuerung in den
städtischen Gebäuden. Im Waisenhaus wurden vierzehn Tage lang die öfen
mit der Kleebergschen Kohle geheizt, und der Magistrat forderte Bericht
über "die Stärke des Geruchs, die Wirkung der Hitze im Verhältnis zum
Holz und besonders die Theuerung der Heizung im Verhältnis zum Holze."
Gleichzeitig empfahl der Magistrat "ein soeben erschienenes Buch über
dergleichen Heizung, das in den Rathslokalitäten demnächst eingesehen
werden könne." Über die abgestellte Probeheizung berichtete der Ratmann
Bonte am 3.1.1825, daß in der Schulstube des Waisenhauses täglich für 2
1/2 Sgr. Braunkohle verbrannt worden sei, um eine Wärme zehn bis
dreizehn Grad Reaumur (entspricht zwölf bis sechzehn Grad Celsius)
hervorzubringen. Dieselbe Wärme habe man erreicht, wenn für 2 Sgr. Holz
verbrannt worden sei. Der Geruch sei nicht zu auffallend gewesen. Da die
Asche der Braunkohle zu nichts weiter als zum Düngen verwendet werden
könne, so sei die Braunkohlenheizung jetzt nicht zweckmäßig. Versuch mit
einem Kanonenofen würde wahrscheinlich ein günstigeres Ergebnis liefern.
Im Verhältnis zum Holzpreise sei die Kohle noch zu teuer. Der Magistrat
kaufte daraufhin bei dem Eisenhändler C.F.Schäfer den einzigen hier
vorhandenen Kanonenofen für zwölf Reichstaler und ließ ihn im Waisenhaus
aufstellen. Gleichzeitig wurde auch der Ofen in der "allgemein benutzten
Policeystube" mit Braunkohle geheizt.
Im weiteren Verlauf des Jahres folgen Berichte vom 'Waisenlehrer Lier
und nochmals von Bonte an den Magistrat, von diesem an das Landratsamt
Treffurt, sowie Schreiben vom Bergamt Suhl und vom Oberbergamt Halle.
Einige kennzeichnende Sätze daraus seien hier mitgeteilt: "... daß der
Rauch aus dem Kanonenofen erst in den großen Kachelofen und von diesem
aus in den Schornstein geleitet wurde. Dies hinderte den größeren Zug
und verursachte Rauch. Dazu kam ein Zwischensatz im Kachelofen der
hinderlich war." - "Ein übelstand ist dagegen die große Aschenbildung
der Kohle. Die Asche muß sehr oft aus den öfen entfernt und, da sie in
dauernder Glut ist, sehr vorsichtig in eisernen Behältern aufbewahrt
werden." - "..., daß die Hausbesitzer einige Malter Scheit- und
Schockwellholz zu Preisen, die weit unter den Marktpreisen stehen, aus
den städtischen Waldungen erhalten können."
Im Wochenblatt 1825 erschien im 20. Stück eine Bekanntmachung des
Landrats in Treffurt vom 2.5.: "Bekanntlich ist seit einigen Jahren im
Weichbild der Stadt Mühlhausen Braunkohle gegraben und als
Feuerungsmateriel benutzt worden. Da nun die Auffindung und Förderung
... für die hiesige Gegend als eine wahre Wohltat angesehen werden muß,
..." Es folgt Empfehlung der Benutzung, und dann wird ein Merkblatt
"über das Heizen der Stubenöfen mit Braunkohle" in drei Fortsetzungen
von je 1 1/2 Seiten abgedruckt. Man kann sich denken, wie langatmig und
weit ausholend die Beschreibung abgefaßt ist. Sie konnte auch nicht den
Kern der Sache treffen, denn die Art öfen, in denen Torf von so geringer
Qualität brennen konnte, gab es eben noch nicht. Es hatte auch noch
niemand eine Vorstellung, wie ein solcher Ofen eingerichtet sein müßte.
In den Gerbereien hatte man fünfzig Jahre später für den eigenen Bedarf
und auch nur für die Heizung der Trockenstube einen gemauerten Ofen mit
einer sehr großen Feuerung, etwa wie heute bei einem Heizungsofen für
ein Dreifamilienhaus. Die Trockenstube lag in der zweiten und dritten
Etage und hatte an drei Seiten Blechrohre von etwa 40 cm lichter Weite,
durch die die Rauchgase bis zum Schornstein strömten. Es wurde mit
verbrauchter Lohe unter Zusatz von Steinkohle geheizt. Eine noch nähere
Beschreibung gehört nicht zum Thema.
Das Bergamt Suhl entsandte im Oktober 1825 den Braunkohlengrubensteiger
Fahrig aus Artern mit einigen Gehilfen nach Mühlhausen, um die
Braunkohlengrube des Gerbermeisters Kleeberg zu untersuchen, und teilte
am 31.5.1826 dem Magistrat mit, daß die Ausdehnung des Kohlenfeldes
ungefähr 500 Quadratlachter (1 Lachter = 2,02 Meter) mit einem Inhalt
von 22 - 23000 Tonnen betrage.
Am 7.9.1826 wurde unser Johann Christoph erneut beim Magistrat
vorstellig und bat um Abnahme seiner Braunkohlenkuchen, von denen er
etwa 35000 Stück am Lager habe. Er forderte einen Durchschnittspreis
von 9 ggr. oder 11 Sgr. 3 Pfg. für das Hundert. Der Preis gelte von
seinem Lager in der Jakobsgasse, indem er sowieso draufzahlen müsse,
denn er müsse das Haus bis Michaelis räumen. Er getraue sich, jährlich
2000 bis 3000 Tonnen zutage zu fördern, " ... und daß es in den ersten
fünfzig Jahren kein Ende nimmt." Auch habe er bereits ein zweites
Kohlenlager entdeckt (gemeint ist im Johannistel) Der Magistrat erklärt
sich in seinem Antwortschreiben nur zu einem Preis von 5 Sgr. für das
Hundert bereit, "wenn wir uns nicht gerechte Vorwürfe seitens unserer
vorgesetzten Behörde zuziehen wollen."
Wir sehen, obwohl ihm doch schon das Wasser bis zum Halse steht und er
bereits sein Haus verkaufen mußte, hat er immer noch große Worte. In
seinen vielen Schreiben an die verschiedensten Behörden war schon ein
paar mal die Vermutung angedeutet, daß Kräfte gegen ihn am Werke seien,
und wir müssen leider vermuten daß er sich durch sein Auftreten selbst
manche Hilfe verscherzt hat. Zwischen ihm und dem Ratmann Bonte war es
zu erheblichen Differenzen gekommen. Hauptmann Bonte war durch Verfügung
der Regierung zum Ratmann und Pollizeikommissar beim Magistrat ernannt
worden und hatte Seinen Dienst im April 1819 angetreten. Die eigentliche
Ursache der Streitigkeiten ist aus den Akten nicht ersichtlich.
Angebliche äußerungen von Bonte gibt Johann Christoph in einer Eingabe
vom 22.1.1827 selbst mit folgenden Worten wieder: "Nun ist Kleeberg am
Ende, jetzt wird er nicht mehr wissen, was er machen soll, seine
Braunkohle nimmt ihm kein Bürger mehr ab. In meine Hände wird er mir nun
gewiß kommen. Ich werde auch nicht danach fragen, ob er heute oder
morgen ganz zugrunde gerichtet sein wird." Das sind Worte, die weit
entfernt sind von jeder sachlichen Auseinandersetzung. Mit seinen
Beschwerden über Bonte wird er vom Magistrat und auch von der Regierung
abgewiesen. Noch einmal bittet er am 10.7.1827 den Magistrat, das noch
vorrätige Lager zu übernehmen. Der Bau-Kondukteur Stoßmeister trat 1829
als Teilhaber in sein Unternehmen ein und erreichte ein neues Gutachten,
in dem ausdrücklich gesagt wurde, daß die fragliche Kohle, "wenn sie
rein und umsichtig zutage gefördert würde", sehr viel Brennstoff
enthalte. Aber 1831 schlief der Abbau ganz ein.
Das Unternehmen von Johann Christoph Kleeberg konnte, zurückschauend
betrachtet, nicht gelingen. Mühlhausen hatte 12000 Morgen Wald, nämlich
die Hardt, den Forstberg und den Stadtwald vom Kringel bis zum großen
Senkicht. Dieser letztere war vom ganzen Hainich sicher noch weniger als
der achte Teil was bedeutet, daß auch die Mühlhäuser und Vogteier Dörfer
viel Wald besaßen. Die begüterten Einwohner hatten Holz genug und
brauchten sich nicht mit der mühseligen Arbeit abzugeben, stinkende und
rauchende Torffeuer zu entfachen. Bei soviel Wald gab es für die ärmere
Bevölkerung stets reichlich Lese- und Bruchholz zu sammeln. Auch war das
Wärmebedürfnis zu der Zeit noch wesentlich geringer als heute. Schon
nach dem ersten Winter 1822/23 hätte er seine Bestrebungen abbrechen
müssen, anstatt sein Lager immer noch mehr zu vergrößern. Er selbst
konnte ja seine Braunkohle und seine, Lohbälle verfeuern, uni wenn die
Sache gut war, hätte sein Beispiel mit der Zeit von ganz allein
Nacheiferung gefunden. Aber er hatte sich wohl zu sehr in den Gedanken
eines Weltverbesserers verbohrt. Er ist dabei ein armer Mann geworden,
hat seiner Familie viel ärger und Kummer bereitet und sich wohl auch zum
Gespött der Leute gemacht.
In der Familie ist von diesen ganzen Vorgängen durch überlieferung
nichts bekannt. Als er und seine Frau starben, war unser Großvater drei
bzw. zwölf Jahre alt und verlor auch bald seinen Vater. Ich selbst habe
darüber von meinem Vater nichts gehört, aber auch keiner von den vielen
Vettern und Basen von ihren Eltern. Johann Christophs Bruder Johann
Christian war Gerbermeister in der Görmargasse im Elternhaus und wurde
der Chronist genannt, aber er schreibt kein Wort darüber in seiner
Familienchronik. Man hat sich wohl des Bruders, Schwagers, Vetters
geschämt, der die ganze Familie so ins Gerede gebracht hatte.
Aber ganz zerrüttet war das Familienleben doch nicht.
Eine Todesanzeige in der Zeitung war in diesen Jahren noch
eine Seltenheit, aber wir lesen im "Mühlhäuser Wochenblatt"
1837 Seite 360 folgende Anzeige:
| " |
Der allweisen Vorsehung Gottes gefiel es am 14. ds. M.
mittags 12 Uhr meinen geliebten Gatten und unsern
Vater Johann Christoph Kleeberg in einem Alter von
62 Jahren 9 Monaten zu einem besseren Leben abzurufen.
Freunden und Bekannten widmen wir diese traurige Anzeige
und bitten um stille Teilnahme.
| |
|
Die hinterlassene Witwe und Kinder
| " |
Man darf nun nicht etwa glauben, daß dieses Schicksal ein
abschreckendes Beispiel geworden wäre, Nach dreizehn Jahren
pachtete der Maurermeister Ette die Torfgrube und nahm den
Bergbau auf Kohle wieder auf. Nach zwei Jahren hatte er mit
seinen Brüdern über 2000 Reichstaler verausgabt und keine
500 Taler eingenommen. Eines Tages war Ette nach Ellrioh
verzogen.
Schon ostwärts Langensalza wäre wahrscheinlich die Holzknappheit viel
größer gewesen und das Unternehmen ganz anders verlaufen. Dennoch, an
die Qualität des Torfes in den deutschen Moorgebieten kommt der hiesige
nicht heran. Gleich nach 1945 hat man auch den Torf von Niederdorla zum
Brennen benutzt ist aber schnell wieder davon abgekommen als sich die
Verhältnisse besserten.
|
Fußnoten
|
| *1) |
Die in den Gerbereien anfallende ausgelaugte Eichen-,
Fichten- oder Weidenrinde wurde jeweils im Frühjahr
zu Lohbällen verarbeitet. Die möglichst schon ein
Jahr alte Lohe wurde mit Wasser zu einem festen Brei
angemacht, und zwar mit bloßen Füßen. Als Werkzeug
dienten Mistgabel und Schaufel. Das Formen geschah in
quadratischen Holzrahmen von etwa 20 cm lichter Weite
auch mit den Füßen. Zu meiner Jungeszeit hatte der
Lollballspringer Krause mit seinem Gehilfen etwa eine
Woche zu tun, bis die haushohen Trockengerüste mit
ein paar Hundert Schock Lohbällen gefüllt waren.
^ |
| *2) |
ggr. = gute Groschen
^ |
| *3) |
Sgr. = Silbergroschen
^ |
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Benutzte Quellen
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- Mühlhäuser Wochenblatt, Jahrgänge 1819 bis 1830 und 1837
- Akte Bergbau, E 1.5
- Akten der Gerberlade
- Klett, Der Bergbau im Gebiet der Stadt Mühlhausen, in "Pflüger",
Jahrg. 3, Heft 7, Seite 420 f.
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Quellenmaterial, das nichts aussagte:
|
- Jordansche Chronik
- Badersche Chronik
- Thomassche Chronik
- Altenburg, Beschreibung der Stadt Mühlhausen
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